Zivile Sicherheit

Markt der zivilen Sicherheit

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© Photo by Anna Dziubinska on Unsplash

Die zivile Sicherheit – mit den Zielfeldern Unternehmen/Behörden, Kritische Infrastrukturen, Bevölkerung – ist angesichts der Globalisierung und den immer komplexeren Technologien zu einem Thema von wachsender nationaler Bedeutung für jedes Land geworden. Es geht dabei besonders - neben den humanitären, sozialen und kriminalitätsmindernden Aspekten - auch um Erhalt und Ausbau der wirtschaftlichen Stärke – sowohl des ganzen Landes als auch der einzelnen Unternehmen.

Herausforderung Unternehmenssicherheit

Konzerne sind in der Regel für das Thema Unternehmenssicherheit sensibilisiert, was die Einrichtung eigener Sicherheitsorganisationen dokumentiert. Hier besteht ein umfassender Informationsbedarf dahingehend, wie sich die Unternehmenssicherheit kontinuierlich optimieren lässt, um dem Stand der technischen, logistischen und sozialen Sicherheitsherausforderungen zu entsprechen.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) fehlt jedoch in weiten Teilen die Sensibilisierung für das Thema – ein wirtschaftspolitisches wie volkswirtschaftliches Problem, da sie in den meisten Industrienationen den eigentlichen Wirtschaftsmotor bilden. Sie stehen im starken internationalen Wettbewerb, der zunehmend auch mit kriminellen Mitteln ausgetragen wird. So kommt es zu erheblichen Verlusten, die nicht nur dem einzelnen Unternehmen schaden können, sondern auch der Wettbewerbsfähigkeit eines ganzen Landes.

Krisenmanagement

Für die Sicherung eines jeden Unternehmens stellt es im Rahmen der verantwortungsvollen Unternehmensführung eine unabdingbare Aufgabe dar, Risiken und Gefahren zu identifizieren, die den Fortbestand gefährden könnten. Die Begrifflichkeiten sind in diesem Zusammenhang vielfältig: Not- und Störfall-Management, betriebliche Katastrophenschutz-Ordnung, Krisenmanagement, Business Continuity, Desaster Recovery, Issue Management usw.

Alle führen jedoch zum Kern der Sache: Auf den denkbaren Schadensfall vorbereitet zu sein oder im Schadensfall zielgerichtet und möglichst schnell die Maßnahmen einzuleiten, die erforderlich sind, um das Ausmaß des Schadens so gering wie möglich zu halten. Dabei stehen nicht nur materielle oder finanzielle Schäden im Fokus, sondern auch immaterielle, etwa das Image.

Ein Beispiel: Ein Bagger kappt bei Tiefbauarbeiten das stromführende Hauptkabel und unterbricht so die Energiezufuhr. Folge: Die Produktion und administrative Prozesse kommen zumeist sofort zum Stillstand. Die Wahrscheinlichkeit, dass passiert, ist so gering nicht. Produktionsausfall durch Energieverlust ist also ein Aspekt, der im Rahmen des Not- und Störfall-Managements betrachtet werden sollte – vor allem im Kontext der Auftragslage und den damit verbundenen vertraglichen Verpflichtungen. Wie lange kann der Stromausfall hingenommen werden, ohne das Unternehmen zu schädigen? Ist das ein hohes unternehmerisches Risiko, so wäre ein Notfallplan zur Energieversorgung notwendig. Ist die Stromversorgung eine fundamentale Voraussetzung für das Unternehmen, wären Vorrichtungen zur Notstromversorgung sicherlich längst Teil der Geschäftsausstattung.

Dieses Praxisbeispiel macht deutlich, dass die Erstellung eines Gefährdungs- und Risikoprofils eine bestandssichernde Aufgabe ist. Die darauf folgende Erstellung von Notfallplänen für identifizierte Risiken unterstützt im Ereignisfall das fokussierte und strukturierte Vorgehen gegen ungewollte und schädigende Ereignisse.

Infrastruktur und Bevölkerung

Die Unternehmenssicherheit spielt also als Wirtschaftsfaktor eine große Rolle. Daneben gilt es, die Kritischen Infrastrukturen (Energieversorgung, Verkehr, Finanzwirtschaft usw.) gegen kriminelle Bedrohungen und die Bevölkerung vor Umwelt- und Naturkatastrophen zu schützen. Beides kommt bei nachhaltiger Betrachtung wiederum der Wirtschaft als Ganzes zu Gute.

Die Verbände VDI/VDE sowie ASW haben im Jahr 2009 im Auftrag des deutschen Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie eine aufschlussreiche Untersuchung veröffentlicht, die feststellt, dass es sinnvoll ist, „sektorale“ Innovationssysteme – hier: die Sicherheitswirtschaft – zu adressieren, weil Innovationssysteme nicht mehr alleine nationalen Einflüssen unterliegen. In diesem Umfeld wirkende ökonomische Effekte hätten danach oft auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft, was die öffentliche Hand positiv beeinflussen möchte.

Interdisziplinäre Ansätze und Lösungen

Neben den Themenfeldern, die sich explizit mit Sicherheit auf die eine oder andere Weise beschäftigen, gibt es eine Reihe von Forschungsthemen, die den Begriff nicht im Titel führen, sich letztlich aber um ihn drehen. Sicherheit ist in diesem Zusammenhang als Querschnittsthema zu betrachten. Es geht um strategische, integrierte und übergreifende Aspekte in sämtlichen Unternehmensprozessen, -planungen, -technologien, und -handlungen.

Deshalb muss Sicherheit auch immer in diesen Gesamtkontext gestellt werden. Gefordert sind interdisziplinäre Ansätze und Lösungen sowie die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen und Einrichtungen. So kann man einerseits der Komplexität der Aufgabenstellungen besser entsprechen und diese andererseits auch beherrschbar und bezahlbar machen. Es geht dabei nicht darum, die „weltrettenden Gesamtlösung“ zu finden, sondern die pragmatische Einzel- bzw. Insellösung.